1928 Krematorium Ohlsdorf mi11220e07a
Werkbeschreibung

Der axialen Anlage des Krematoriums sind eine erhöhte Terrasse mit Freitreppe und eine offene Galerie vorgelagert, die einen äußeren Vorbereich bilden. Die über diesen Freibereich ankommenden Trauernden betreten das Gebäude von der Friedhofsseite aus durch einen zentralen Eingang, der in die große Feierhalle führt. Der rechteckige Raum wird innen von sechs unverkleideten Stahlbetonbindern gebildet, die die Halle in einer parabolischen Kurve überspannen. Emporragende, farbige Fenster (Bossanyi / Atelier Kuball) in den schräg aufsteigenden Längswände prägen den feierlichen Raumeindruck. Der versenkbare Katafalkplatz liegt in der Achse des Raums, der von einer mosaikgeschmückten Nische (Puhl und Wagner) in der Rückwand abgeschlossen wird. Über dem Eingang befindet sich eine mit zwei schlanken Holzskulpturen (Kunstmann) geschmückte Empore, die einst einer Hans-Henny-Jahnn-Orgel Platz bot.

Eine Versenkungsanlage befördert die Särge in das Untergeschoss, wo Schumacher alle betrieblichen Vorgänge anordnete. Ein rückwärtiger Hof, der durch einen Geländeversprung auf dem Niveau des Untergeschosses liegt, dient der Erschliessung dieses Bereichs und ist direkt von der angrenzenden Fuhlsbüttler Straße aus zu erreichen. Das Technische ist „dem Publikum ganz entzogen, sodaß das Gebäude nach außen von allen Seiten seinen monumentalen Charakter behält“ (Schumacher: Krematorium in Hamburg, S. 418)

Die Schornsteinanlage ist in die rückwärtige Fassade integriert, so dass die Feierhalle als ein geschlossener, in die höhe strebender Bau wahrgenommen wird. „Um den Ernst des Baus zu steigern“, wählte Schumacher für die Außenwände nur Klinker und Keramik, also Materialien, die symbolisch auf Feuer und Brand verwesen.

Rechts und links der großen Feierhalle, die seit 2011 „Fritz-Schumacher-Halle“ heißt, befinden sich kleiner Hallen, deren nördliche im Rahmen der Grundinstandsetzung (Dohse Architekten, 2010) zum Kolumbarium umgenutzt wurde.

Das historische Bauwerk wurde in den Jahren 2010 und 2011 duch einen Neubau ergänzt, der als Bestattungsforum dient, Feierräumen und Gastronomieflächen bietet und zusätzliche Betriebsräume aufweist.

>> link zu einer Reihe von historischen Fotos (Fotograf: Dransfeld) des Baus über „commons.wikimedia.org“


 


Fotos: Dorfmüller | Kröger | Klier

 

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Ort
Hamburg-Ohlsdorf, Ohlsdorfer Friedhof

Baujahr
1928-33

Auftraggeber
Freie und Hansestadt Hamburg

Quellen
StaH, Bestand Baudeputation C250
Fritz Schumacher, Krematorium Hamburg, in: Deutsche Bauzeitung 67, 1933, S. 415ff
Fritz Schumacher, Selbstgespräche, S. 237ff
Hermann Hipp, Freie und Hansestadt Hamburg, Ostfildern 1996, S. 450
Das neue Krematorium in Hamburg, in: Bauwelt 24 (1933)
Crematory in Hamburg, in: Architecture (1935)
Zustand
Werk erhalten
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280 Krematorium Ohlsdorf

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