Werkbeschreibung

Im Hochsommer erhielt Schumacher vom Besitzer des Schloss Castel Prösel, Alexander Günther, den Auftrag, einen Gebäudeflügel und den daran anschliessenden Turm wieder aufzubauen. Zusätzlich zu kleineren Umbauten und Ergänzungen der Bausubstanz baute Schumacher in einem wiedererrichteten Flügel des Gebäudes einen Festsaal ein. Er entwarf einen holzgetäfelten Saal mit hölzernen Tonnendecke und einem zweigeschossigen Einbau zur Erschliessung des Turms. Die Arbeiten wurden von regional ansässigen Handwerkern ausgeführt. Für die Malereien im Burghof und an den Terrassen beauftragte der Bauherr den Münchener Bildhauer Balthasar Schmitt.

Die mittelalterliche Burg Prösels (castrum presil) wird in einer Urkunde aus dem Jahr 1279 erstmals erwähnt. (…) im Jahre 1530 hatte die Burg im wesendlichen bereits die heutige Gestalt (…) 1860 (…) völlig verfallene Schloß (…) Kofler machte sich sofort an die Arbeit, ließ Mauern sichern sowie Dächer neu decken und konnte bereits am 26. Juli 1861 die restaurierte Burgkapelle einweihen (…) immer noch Schlossruine genannte Liegenschaft (…) der detaillierte Bericht, den Alexander Günther von seinem ersten Besuch in Prösels im Herbst 1887 gibt, zeichnet aber ein Bild völliger Verwahrlosung. Trotz des Verfalls war er von der beeindruckenden Burganlage so angetan, dass er sie am 5. November 1887 (…) erwarb. (…) Er brachte zahlreiche Kunstwerke nach Prösels. Nur die italienischen Steinskulpturen, die er an verschiedenen Stellen des Burghofes einmauern ließ, sind heute noch vorhanden. Für die weitere Restaurierung des Schlosses verpflichtete er den jungen Architekten Fritz Schumacher aus Bremen. Dieser gestaltete in Günthers Auftrag 1893 den großen Saal im Nordosttrakt des Palas ober der Pfeilerstube. In der Südmauer wurden zwei neue Fenster ausgebrochen, zum Hof zwei bestehende vermauert. Spätgotische Balken, Renaissanceportale und Barockschnitzereien an Fenstern und Empore ergeben eine eigenständige und heute noch gültige Raumwirkung in historischen Formen. (…) Auch das anstoßende Gemach des Mohrenturmes, der ursprünglich nur Verteidigungszwecken diente wurde damals zu einem Wohnraum umgebaut. Schließlich fällt die Eindeckung fast aller Türme der Wehranlage in diese Zeit. Bevor die geplanten Arbeiten abgeschlossen waren, verkaufte er Prösels am 9. Oktober 1897, da ihm sein Arzt geraten hatte, wegen eines schweren Augenleidensnach Italien zu übersiedeln. (schloss-proesels.seiseralm.it abgerufen Nov. 2020)

siehe auch: alleburgen.de

Der Kunsthändler und Mäzen Alexander Günther war mit der Familie Heyl und Franz von Lenbach bekannt, Kunstberater der Rothschilds und Freund von Lorenz Gedon und von Friedrich August Kaulbach. (siehe: Clemens, König, Meriggi: Hochkultur als Herrschaftselement, Berlin 2011) Über diesen Personenkreis dürfte sich für Fritz Schumacher der Kontakt ergeben haben.

>> link zu einer weiteren Skizze Schumachers zu diesem Entwurf über „mediatum.ub.tum.de“

>> link zu Zeichnungen des Schlosses von Fritz Schumacher über „deutsche-digitale-bibliothek.de“

Kategorie
/

Ort
Blumenau/Südtirol

GLat
46.502986
GLng
11.49893
GZoom
10

Baujahr
1893

Auftraggeber
Alexander Günther

Quellen
SUB Nachlass Schumacher
Fritz Schumacher, Stufen des Lebens, S. 137ff
Manfred Fischer, Fritz Schumacher auf Schloss Prösels, in: Der Schlern 67, 1993, Heft 11
Zustand
Kategorie
Schlagwörter
Datensatz

002 Renovierung und Innenausstattung von Schloss Prösels

Bearbeiter