urbanes #1 2011

Von Heinrich Großbongardt

 

Ein Traumjob im eigentlichen Sinne war es nicht, 1909 Baudirektor in Hamburg zu werden. Natürlich war es eine großartige Aufgabe, die Entwicklung dieser dynamischen Stadt zu gestalten. Aber Entscheidungen fielen hier nur mühsam. Doch der 40jährige Schumacher wollte die Herausforderung und meisterte sie nicht zuletzt, weil er einen scharfen Geist hatte und ein glänzender Rhetoriker war. „Durch seine Sprachgewalt konnte er sich in dieser schwer zu regierenden Stadt durchsetzen“, erzählt Prof. Hans-Günther Burkhardt, Vorsitzender der Fritz-Schumacher-Gesellschaft.

Untrennbar mit Schumachers Namen verknüpft ist die Verwendung von rotem Backstein als Baumaterial für die Fassaden. Die 20 mal 10 Zentimeter großen Backsteine mit ihrem lebendigen Farbenspiel waren ein Material, mit dem die Architekten durch unterschiedliches Mauern schmuckvolle Fassaden schaffen konnten. Manche dieser Häuser mögen heute vielleicht etwas düster wirken, doch damals war das ganz anders. „Man muss sich das Hamburg jener Tage als ziemlich grau vorstellen“, erzählt Burkhard. Die Farbigkeit, die den Fassaden von Gründerzeithäusern ihre Lebendigkeit verleiht, ist eine Erfindung der Neuzeit. Die einzige Farbe war der weiße Kalkanstrich der Reedervillen, der in der von Ruß geschwängerten Luft aber auch nur zwei oder drei Jahre hielt.

Eine Riesenaufgabe war es, des raschen Bevölkerungswachstums Herr zu werden. 1900 hatte die Hansestadt 700.000 Einwohner, zehn Jahre später schon über 900.000. Ihnen wollte Schumacher eine Heimat geben. „Wer die Stadt als Lebewesen empfand, musste bald erkennen, dass dies Wesen im tiefsten Kern krank war und dass man dieser Krankheit nur durch organische Eingriffe Herr werden konnte. Es handelte sich um eine soziale Aufgabe von größtem Ausmaß“, schrieb er später.

Wie er sich das vorstellte, kann man heute noch in der Jarrestadt, in Dulsberg, auf der Veddel und in der Fritz-Schumacher-Siedlung in Langenhorn sehen. Auch der Stadtpark trägt seine Handschrift; das Planetarium und das Landhaus Walter …
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(Heinrich Großbongardt, Rot gegen grau, in: urbanes, No. 1, 2011, S. 24f)
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