„hervorragende Bespiele für modernes Mauerwerk“

Ákos Moravánszky zitiert in seiner aktuellen Veröffentlichung Stoffwechsel Fritz Schumachers Überlegungen zum Backsteinbau:

Nicht nur dem Granit, auch dem Backstein wurden erzieherische Fähigkeiten attestiert. Für Fritz Schumacher war er ein Material von Charakter, ganz anders als der Putz. Letzterer erlaube, »leicht und mühelos […], jeder unreifen Laune Gestalt zu geben, ist auf diesem schiefen Wege ein geradezu verführerisches Material. Allen geilen Instinkten der Unfähigkeit und Anmaßung kommt er willig entgegen […]«.55 Anders der Backsteinbau: Er »lehnt sich durch die Herbheit seines Wesens ganz von selber gegen sie auf. Es ist nicht so leicht, ihn für irgendein willkürliches Lüstchen gefügig zu machen, sein ernstes Antlitz widerstrebt der Prostitution, und so liegt in ihm ein natürlicher Damm gegen das Ueberschäumen unverstandener oder abgestandener Unternehmerphantasie«.56 Die Bauten Schumachers werden heute vor allem vor dem Hintergrund der Ref ormbewegung der Jahrhundertwende untersucht, und deshalb liegt das Hauptaugenmerk auf den frühen, dekorativen Backsteinfassaden, obwohl seine um 1928–1930 entstandenen Schulen hervorragende Bespiele für modernes Mauerwerk sind. Stein- oder Backsteinmauern waren Stiefkinder der modernen Bewegung, zu viele Bedeutungsschichten kontaminierten die Reinheit des »internationalen Stils«, welche die Fassade mit Land, Region, Zeit oder Arbeit in Verbindung gebracht hätten.

Stoffwechsel : Materialverwandlung in der Architektur / Ákos Moravánszky

Ákos Moravánszky
Stoffwechsel : Materialverwandlung in der Architektur
Basel 2018
http://d-nb.info/1119344409