Die Fritz-Schumacher-Schule in der Fritz-Schumacher-Siedlung

Unmittelbar nach dem Bürgerschaftsbeschluss, in Langenhorn eine Siedlung zu errichten, begannen auch die Planungen für zwei „Pavillonschulen“ im Norden bzw. im Süden der Siedlung. Für beide Schulen waren die Standorte bereits in der Bebauungsplanung berücksichtigt worden. Nach einem langen Diskussions- und Planungsprozess konnte am Südrand der Siedlung eine der beiden Schulen im Jahre 1921 bezogen werden.

Kurze Zeit nach Inbetriebnahme der Schule stellten sich jedoch gravierende Planungs- und Baumängel heraus; außerdem hatte sich zwischenzeitlich ein erheblicher Erweiterungsbedarf ergeben. Erneute langwierige Verhandlungen zur Zukunft der Schule führten schließlich zu dem Beschluss, das Gebäude nicht weiter instand zu setzen, auf den Bau der zweiten Pavillonschule zu verzichten und statt dessen eine gänzlich neue, dem Gesamtbedarf entsprechende und die reformpädagogischen Ideen der 1920er Jahre berücksichtigende „Siedlungsschule“ zu errichten. Fritz Schumacher legte dazu 1927 die Gebäudeplanung vor, so dass der Neubau im April 1929 begonnen und dann im Januar 1931, nach rund zehnjährigem Provisorium, bezogen werden konnte. Auf der Fläche der abgerissenen Pavillonschule wurde der Schulsportplatz errichtet.Der Schulneubau bildet heute den südlichen städtebaulichen Abschluss, darüber hinaus das schulische, kulturelle und soziale Zentrum der Siedlung. Im Vergleich zu den im gleichen Zeitraum entstandenen Schumacher-Schulen präsentiert sich das Bauwerk mit einer eher konservativen baukörperlichen Gliederung, die Gestaltungsmotive der Siedlungshäuser aufgreift und im übrigen an die Vorkriegsschulbauten Schumachers erinnert. Schumacher schreibt dazu: „Der Charakter der Schule ist dem der Siedlung angepasst“.

Das Schulgebäude stellt einen kompakten, symmetrischen, dreiflügeligen Baukörper dar, mit zweibündigem Grundriss-System sowie einer zentralen Turnhalle, während die Aula im ausgebauten Dachraum eines Seitenflügels untergebracht ist. Die Seitenflügel sind 1986 erweitert worden und haben aufgrund der dadurch verlängerten Flucht- und Rettungswege an den Stirnseiten je ein zusätzliches Treppenhaus erhalten. Als eine spezielle Form des Denkmalschutzes ist die ursprüngliche Gestaltung nahezu vollständig weiter geführt worden und deshalb als Erweiterung kaum wahrzunehmen.

Den Namen „Fritz Schumacher“ trägt die Schule seit 1944, dem 75. Geburtstag des Architekten. An der entsprechenden Feier konnte Schumacher wegen seines angegriffenen Gesundheitszustandes nicht teilnehmen. Die Siedler hatten zu diesem Anlass bei dem Maler Friedrich Ahlers-Hestermann ein Porträt Schumachers bestellt, das seitdem Bestandteil der künstlerischen Ausgestaltung der Schule ist.

Claus Kurzweg